Christliche News

´Die Reformation, die Aufspaltung der Christen in Katholiken und Protestanten, macht Arbeit. Ganz aktuell, im Jubiläumsjahr, das an den Thesenanschlag Martins Luthers 1517 in Wittenberg erinnert, den beiden großen Kirchen, die nach fünf Jahrhunderten Trennung mehr und mehr wieder den Weg aufeinander zu suchen.

 

Aus der Werkstatt im Hochsauerland kommt das Versöhnungskreuz, das beim ökumenischen Gottesdienst in der St. Michaeliskirche in Hildesheim seinen großen Auftritt hatte; der Gottesdienst mit rund 400 Gästen aus Politik und Kirche ist eine der zentralen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr der Reformation. Und er hat schon jetzt Folgen für die Mitarbeiter der Abteischmiede in Meschede: Deren Leiter, Benediktinerpater Abraham Fischer, hat das Kreuz entworfen und mit seiner Crew hergestellt.

2,40 mal 2,40 mal 2,60 Meter misst das dreidimensionale Kreuz, das kein Leichtgewicht ist, sondern unmenschlich schwer zu tragen: 250 Kilogramm bringt die Stahlskulptur auf die Waage. 500 Miniaturausgaben hatte die Klosterschmiede zusätzlich hergestellt. Ein spirituelles Merchandising quasi. „Die sind bereits alle ausverkauft“, berichtet Pater Abraham jetzt auf unsere Nachfrage. Deshalb läuft die Produktion der zweiten Auflage auf vollen Touren. Zu Ostern wollen Pater Abraham und sein Team wieder lieferfähig sein.

Vierfach-Qualifikation

 

Seinen Anfang hat der Beschäftigungsauftrag im Sommer 2015. Die Deutsche Bischofskonferenz fragt bei Pater Abraham, der auch bereits das Kreuz für das Kulturhautstadtjahr „Ruhr 2010“ entworfen hatte, an: Was machen wir für den Versöhnungsgottesdienst zum Reformationsjubiläum?

Die Idee zum dreidimensionalen Kreuz leitet der Benediktiner aus seiner Vierfach-Qualifikation ab: „Ich bin Metallgestalter, Schlossermeister, Diplom-Theologe und Priester“, zählt Abraham Fischer lachend auf.

Der Theologe geht also den Fragen nach, wie sich Menschen heute ansprechen lassen, wie sich eine Skulptur in eine Gottesdienstfeier einbauen lässt und wie sie Strahlkraft entwickelt. Dazu kommt „das Wissen, wie ich Metall bearbeiten muss, damit es so aussieht, wie ich es will“.

außen rostig, innen golden

Herausgekommen ist das Christus-Kreuz, wie es ursprünglich hieß; mittlerweile ist es als Versöhnungskreuz bekannt geworden.

„Wenn es liegt, ist es wie eine Sperre“, beschreibt der Benediktiner und weist damit auf die Kirchenspaltung und die Abgrenzung von Katholiken und Protestanten hin. „Wird es aufgerichtet, ist es ein Kreuz“, führt der Pater weiter aus – ein Kreuz, das instabil steht. Bisweilen muss man sich an die Arbeit machen und es „wieder neu aufrichten“. Damit geht der Ordensmann auf die Selbstverpflichtung der beiden großen Kirchen ein, etwas tun zu wollen auf dem Weg aufeinander zu.

Das Kreuz besteht aus einem Stahlkern und Stahlrohren. „Außen sieht es wie rostig, wie gealtert aus. So wird die Kirche auch wahrgenommen“, erklärt der Diplom-Theologe. Innen sind die Stahlrohre mit Blattgold ausgekleidet; sie glänzen und strahlen. Und es verbindet: Wer durch die Stahlrohre schaut, sieht sein Gegenüber – beide betrachten dabei die gleiche Mitte.

Zweite Auflage: 500 Stück

Drei Wochen haben Abraham Fischer und seine Schmiede-Mannschaft daran gearbeitet – vieles ist reine Handarbeit. „Das Vergolden der Stahlrohre war sehr aufwendig, das ist eine sehr filigrane Arbeit“, blickt der Pater zurück. Einiges hat ein Laser erledigt, weil er extrem präzise arbeitet.

Das Hildesheimer Versöhnungskreuz als Auftragsarbeit ist ein Unikat – und soll es auch bleiben. „Es ist ein Symbol. Menschen haben aber gerne Abbilder“, weiß Benediktinerpater Abraham. Deshalb hat die Abteischmiede 500 Miniaturausgaben produziert. In der Größe 13 mal 13 mal 13 Zentimeter. „Das ist etwas für den Schreibtisch zu Hause“, sagt Fischer. Die ersten 500 sind, nur eine Woche nach dem Gottesdienst in Hildesheim, bereits ausverkauft. Die Schmiede ist daher dabei, die zweite Auflage, noch einmal 500 Stück, herzustellen. Die Reformation macht, im wahrsten Wortsinn, Arbeit. Auch nach 500 Jahren.

 

 

 

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